Januar - Verbotene Früchte

(c) iStock
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Da sah die Frau, dass es köstlich wäre, von dem Baum zu essen,
dass der Baum eine Augenweide war und dazu verlockte, klug zu werden.
Sie nahm von seinen Früchten und ass;
sie gab auch ihrem Mann, der bei ihr war, und auch er ass.
(1. Mose 3, 6)


Meint es Gott nicht gut?
Ist er knauserig?
Am Anfang ist alles gut, sehr gut sogar.
Die ersten Menschen und Gott leben nahe zusammen
ein ungebrochenes Verhältnis
Es mangelt uns an nichts
So kann es für immer bleiben

Knackig, frisch, verheissungsvoll ist die Frucht
Nimm einen Biss
Du wirst nicht sterben
Sei wie Gott
Sei nicht mehr klein und abhängig
Geh mit offenen Augen durch das Leben
Erkenne selbst, was gut und was böse ist.
Triff deine eigenen Entscheidungen.
Sei frei!

Doch die Frucht ist verdorben
Uns gehen die Augen auf
Wir sind nackt und ungeschützt
Wir schämen uns und verstecken uns
Wir fallen aus der engen Verbindung mit Gott
Der Mensch schneidet sich ab aus der Gemeinschaft mit dem Schöpfer
Der Mensch will selber Gott zu sein
Reisst sich die gute Schöpfung unter den Nagel
Beutet andere aus, unterdrückt Brüder und Schwestern
Will selber über den Anfang und das Ende des Lebens bestimmen

Der Baum in der Mitte des Paradieses ruft uns zu:
In der Mitte der ganzen Schöpfung
und in jedem kleinsten Teil in ihr
gibt es etwas, das wir nicht antasten dürfen.
Etwas Heiliges, das Gott gehört.
Über das wir nicht verfügen.
In der Mitte der Schöpfung liegt das Geheimnis des Lebens.
Wenn wir darauf zugreifen, zerfällt das Leben.
Das Leben - ein erstaunliches Geheimnis, zum Staunen schön.

Thomas Bachofner