Ittinger Meditationen
Unsere monatlichen Meditationen "Kraft aus der Stille" finden in der Regel immer am zweiten Mittwoch im Monat im Raum der Stille statt.
Hier finden Sie eine Meditationsanleitung für Zuhause sowie die Texte (und Tonaufnahmen) der Ittinger Meditationen.
Zum Mitmeditieren
Sich berühren lassen
Als Inspiration
Thema 2026: Baumgeschichten
Der HERR, unser Gott, führt uns in ein gutes Land. Ein Land mit Bächen und Quellen. Mit Weizen und Gerste. Mit Reben, Feigen und Granatäpfeln. Mit Olivenbäumen und Honig. Ein Land, in dem wir satt werden. Ein Land, in dem uns nichts fehlt.
(5. Mose 8,7–9)
Noch sind wir nicht dort.
Noch gehen wir durch trockene Landschaften.
Der Boden ist hart.
Die Vorräte sind knapp.
Der Weg ist weit.
Das Ziel liegt noch hinter dem Horizont.
Wir fragen: Wie lange noch?
Wo ist dieses verheissene Land?
Wo fliessen Milch und Honig?
Gott erzählt von Bäumen
Von Feigenbäumen.
Von Granatäpfelbäumen.
Von Olivenbäumen.
Bäume voller Früchte.
Bäume der Fülle.
Mitten im Mangel hören wir von reifen Früchten.
Mitten in der Entbehrung von Überfluss.
Ein Baum wächst langsam.
Still und geduldig.
Lange sieht man nur Holz und Blätter.
Doch im Verborgenen reift Frucht.
Vielleicht ist es mit unserem Weg genauso.
Darum gehen wir weiter.
Schritt für Schritt.
Wir bleiben dran.
Und lassen die Hoffnung immer wieder neu
in uns aufstehen.
Thomas Bachofner
Die Frau sah: Die Früchte waren so frisch, lecker und verlockend – und sie würden sie klug machen! Also nahm sie eine Frucht, biss hinein und gab auch ihrem Mann davon. Da ass auch er von der Frucht. In diesem Augenblick wurden den beiden die Augen geöffnet und sie bemerkten auf einmal, dass sie nackt waren.
(1. Mose 3, 6-7)
Ich stehe im Garten.
Nicht irgendwo.
Hier, wo alles gut begann.
Mitten in der Fülle des Lebens
Und da ist diese Frucht.
Schön und reif.
Duftend und verlockend.
Ich sehe.
Ich begehre.
Aber Gott hat gesagt:
Iss nicht davon.
Lass es sein.
Es tut dir nicht gut.
Innerlich lege ich mir Gründe zurecht.
Sie sieht so frisch aus.
So verheißungsvoll.
Sie macht klug.
Ich höre die alte Stimme in mir.
„Gönn dir doch etwas.“
„Du wirst mehr sein.“
„Das wird dich weiterbringen.“
Also greife ich zu.
Ein Biss. Nur ein kleiner.
Und plötzlich ist nichts mehr wie vorher.
Meine Augen gehen auf.
Nicht zu grösserer Freiheit.
Sondern zu mir selbst.
Zu meiner Blösse.
Zu meiner Verletzlichkeit.
Ich sehe mich.
Ungeschützt.
Ohne Versteck.
Der Garten ist noch da.
Aber er fühlt sich anders an.
Die Vögel singen leiser.
Etwas ist zerbrochen.
Die Leichtigkeit ist weg.
Ich merke: Erkenntnis hat einen Preis.
Entscheidungen bleiben nicht folgenlos.
Und Gott? Er schweigt noch.
Aber ich weiß: Er wird kommen.
Wie immer. Mit Fragen.
Mit Wahrheit. Mit Konsequenzen.
Ich stehe da.
Mit offenen Augen.
Werde ich zu dem stehen, was ich verbockt habe?
Suche ich nach Ausreden?
Lerne ich, mit dem zu leben, was ich gewählt habe?
Gott, stehst du noch immer zu uns?
Sind wir immer noch deine Menschen?
Thomas Bachofner
Gott pflanzte einen Garten in Eden im Osten.
Und Gott liess aus dem Erdboden allerlei Bäume wachsen, begehrenswert anzusehen und gut zu essen, und den Baum des Lebens mitten im Garten und den Baum der Erkenntnis von Gut und Böse.
(1. Mose 2, 8–9)
Gott – du schaffst einen Lebensraum.
Einen Garten in reicher Fülle.
Leuchtende Farben,
Blumen, die das Auge erfreuen.
Sprudelnde Bäche, stille, tiefe Flüsse.
Aus der Erde lässt du Bäume wachsen:
schön anzusehen, nährend, voller Leben.
Mitten im Garten der Baum des Lebens.
Quelle, aus der immer Neues fliesst.
Verheissung von Leben, das nicht versiegt.
Und der Baum der Erkenntnis von Gut und Böse.
Er öffnet die Augen.
Für das Helle und das Schöne,
für das Dunkle und Zerbrechliche.
Ein innerer Kompass.
Eine leise Stimme für die Wahrheit.
Gott nahm den Menschen, den er gebildet hatte
und setzte ihn in den Garten Eden,
damit er ihn bebaute und bewahrte. (1. Mose 2, 15)
Gott schafft Raum zum Leben.
Er setzt den Menschen hinein –
nicht als Besitzer, sondern als Hüter.
Der Mensch darf gestalten, pflegen und bewahren.
Arbeiten und geniessen.
Alles ist da.
Der Boden trägt.
Es fehlt an nichts.
Und Gott sprach:
Von allen Bäumen des Gartens darfst du essen.
Vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse aber,
von dem darfst du nicht essen,
denn sobald du davon isst, musst du sterben.
(1. Mose 2, 16–17)
Gott setzt eine Grenze.
Du darfst essen. Von allen Bäumen.
Nur von diesem einen nicht.
Will Gott etwas vorenthalten?
Ist seine Liebe begrenzt?
Oder weiss er mehr über das Gewicht der Freiheit,
über die Last des Wissens?
Denn wer Gut und Böse erkennt, trägt Verantwortung.
Kann sich nicht verstecken.
Hört eine Stimme in sich.
Warum steht dieser Baum im Garten?
Weil der Mensch ohne Freiheit kein Mensch ist.
Weil Lieben wählen heisst.
Gott will keine Marionetten.
Keine willenlosen Geschöpfe.
Er will ein Gegenüber.
Einen Menschen, der frei antworten kann.
Ein Ebenbild.
Thomas Bachofner
Es gibt viele verschiedene Meditationsformen. In der christlichen Tradition wird Meditation als Nachsinnen über einen Text verstanden. Oft sind es biblische Worte, die als Grundlage dienen. Im Psalm 1 heisst es, dass jemand "Tag und Nacht über den Weisungen Gottes nachsinnt". In der lateinischen Übersetzung steht an dieser Stelle das Wort "meditari". Es geht um ein inneres Bewegen der Worte, so wie Maria die Worte, die ihr die Hirten über ihren Sohn Jesus sagten "in ihrem Herzen bewegte". Der spanische Mystiker Ignatius von Loyola (1491 - 1556) schrieb: „Nicht das Vielwissen sättigt die Seele und gibt ihr Befriedigung, sondern das innere Schauen und Verkosten der Dinge.“
Die Meditation ist eine Hilfe, um sich auf Gott auszurichten, das wahrzunehmen, was sich in meinem Inneren gerade melden möchte und um Körper, Seele und Geist in Einklang zu bringen.
Hier finden Sie eine Meditationsanleitung, die Sie für sich zu Hause alleine oder in einer kleinen Gruppe verwenden können. Versuchen Sie es einfach und bleiben Sie dran. Mit der Zeit werden Sie feststellen, dass das Meditieren immer leichter fällt und zu einer Übung wird, die Sie nicht mehr missen möchten.