Wir haben seinen Stern gesehen - Gedanken zum Dreikönigstag

Viele Menschen müssen das Zeichen am Himmel gesehen haben. Aber nur die drei Sterndeuter konnten das Zeichen deuten und waren bereit, sich auf den Weg zu machen und dem Zeichen zu folgen.
Der "weihnachtliche" Psalm 24 spricht von denen, die hinaufziehen dürfen zum Berg des Herrn: Wer reine Hände hat und ein lauteres Herz, wer sich nicht am Vergänglichen, am Nichtigen orientiert, sondern sich auf das Ewige und Göttliche ausrichtet, wer nicht falsch schwört. Also Menschen, die offen sind gegenüber Gott und mit ihm rechnen, die eine aufrichtige Haltung haben und nicht nur darüber reden, sondern sich auch entsprechend verhalten.
Solche Menschen müssen die Sterndeuter gewesen sein. Sie brechen auf und gehen das Wagnis ein. Aber das königliche Kind finden sie nicht selber, sondern nur, indem sie sich leiten lassen. Ihre Vorstellungen weisen sie an das Naheliegende. Für sie ist klar, dass nur der Königshof in Jerusalem der Ort sein kann, wo der neue König auftaucht. Doch schlussendlich werden sie zum Stall in Bethlehem geleitet.
Die Zeichen der Zeit erkennen und deuten. Mich in Bewegung setzen und die Antworten suchen. Darauf vertrauen, dass ich begleitet und geführt werde. Und dass ich letztlich in eine neue Wirklichkeit hineingeführt werde.
Was heisst das in Bezug auf Corona? Corona betrifft ganz viele Menschen ganz existenziell. Doch letztlich ist auch Corona ein Zeichen, ein Symptom, ein Ausdruck der Gebrochenheit der Schöpfung. Es geht nicht darum, die verschwörerischen Mächte dahinter zu entlarven und uns mit gewagten Theorien zu beschäftigen, die uns vom Eigentlichen ablenken: dem Dasein für Menschen, für Schwache, für Leidendende, für Sterbende, für Trauernde, für Verängstigte. Also die "Verletzten" betreuen und die Toten beweinen und begraben.
Es geht aber auch - mit Bonhoeffer gesprochen - darum, dem "wahnsinnigen Autofahrer das Steuer zu entreissen". Staatliche Bevormundungen und verordnete Zwangsmassnahmen muss man kritisch hinterfragen können. Einseitige mediale Berichterstattung, Einschränkung der Meinungsfreiheit, Denunziantentum, Menschen, die ohne Augenmass gebüsst werden - all das muss benannt werden können. 
Wer die Zeichen der Zeit deutet, geht ein Risiko ein. Er kann sich lächerlich machen. Er kann sich irren. Er kann einen Shitstorm lostreten. Die Sterndeuter aus dem Osten waren bereit dazu. Und wir?

6. Januar 2021 Thomas Bachofner