Wie weiter?

Wie nun weiter? Diese Frage ist momentan wohl in allen Köpfen und Herzen. Die Kurve ist abgeflacht, die Zahlen sinken. Wir haben wohl vieles richtig gemacht bis jetzt, auch wenn noch länger nicht alles überstanden ist.
Wie aber nun weiter? Noch wichtiger ist mir die Frage: Gibt es irgendwann wieder so etwas wie Normalität? Und wie ist die dann?
Mir fällt schon heute auf, wie nah sich Menschen in Spielfilmen sind. Es befremdet mich, wenn ich Bilder sehe, wie Menschen zusammen essen oder durch die Strassen bummeln. Wie schnell sich meine Wahrnehmung gewandelt hat. In der kurzen Zeit habe ich mich daran gewöhnt, Abstand zu halten, direkte Kontakte zu vermeiden und mich fast ausschliesslich rund ums Zuhause zu bewegen. Doch eine solche Normalität möchte ich nicht, zumindest nicht auf Dauer. Mir fehlen Familie und Freunde. Ich möchte sie wiedermal in echt sehen, nicht nur auf dem Bildschirm. Mir fehlt das Schreiben in einem Café, Theater, Kino und ja - mal wieder wegfahren zu können. Aber auch der kurze Schwatz beim Bäcker, eine tröstende Hand auf der Schulter und Schlendern über den Markt vermisse ich.

Aber einfach so zurück in die Normalität vor Corona kann ich nicht – hoffe ich sehr, nicht zu können. Katrin Sass, die deutsche Schauspielerin sagte letzthin in einem Interview, dass die Corona-Krise wie ein kleiner Mauerfall sei. Die Welt sei nachher nicht mehr dieselbe. Vielleicht hat sie recht. Vielleicht ist das die Chance, das eine oder andere anders und besser zu machen. Aber einfach so geschieht das nicht. Wir sind gefragt, um nicht leichtfüssig und leichtsinnig einfach zur ‘Vor-Corona-Normalität’ zurückzukehren. Sicherlich braucht es Mut und Engagement mir einzugestehen und auch vor anderen zu sagen: ‘Ich brauche dies jetzt nicht mehr, aber dafür ist mir jenes nun wichtig!’ Zum Beispiel: Mein Einsatz für höhere Löhne in systemrelevanten Berufen (die bleiben nämlich relevant!). Mich weiterhin bei der alleinstehenden Nachbarin nach ihrem Wohlergehen erkundigen. Wieder öfters Freunde treffen zum gemeinsamen Essen und Reden, weil das mein Leben reich macht. Nun doch mit dem Zug in die Ferien fahren, weil die saubere Luft uns allen guttut. Und vielleicht doch auch mal versuchen, Alternativen zu unserem Wirtschaftssystem und der Globalisierung denken.

Und ich höre den, der sagt: "Gedanken des Friedens und nicht des Leides habe ich über euch, und ich gebe euch Zukunft und Hoffnung." (Jeremia 29,11). Es wird eine Normalität nach Corona geben und ER sagt uns Zukunft und Hoffnung zu. Doch wie die Normalität aussehen wird, liegt auch in unserer Hand.

16. April/Cathrin Legler