Lasst uns reden!


«…denn jeder hörte sie in seiner Muttersprache reden.»
Apostelgeschichte 2, 6

Die Apostel werden vom Heiligen Geist erfüllt und reden in Sprachen, die ihnen fremd sind. So erzählt man sich das Geschehen am Pfingsttag. Die Apostel und mit ihnen viele andere erkennen darin das Wirken Gottes. Sie sind doch nicht alleingelassen worden. Er hat den Heiligen Geist geschickt, wie er es versprochen hat. An Pfingsten, so sagt man, feiern wir den Geburtstag der Kirche. Es war wie ein Startschuss. Petrus und die anderen werden ermutigt und auch befähigt, das Gehörte und Erlebte weiterzutragen und darüber zu reden. Von nun an werden sie weitererzählen, wer Jesus ist, wie er gelebt und gelitten hat und auferstanden ist. Der Heilige Geist ist somit die Kraft, die von Gott kommt, im Menschen wirkt und ihn handeln lässt.

Es wird weiter berichtet, dass die Apostel zwar in Sprachen reden, die sie nicht verstehen, die aber sehr wohl verstanden werden. Die Menschen hören sie in ihrer Muttersprache reden – jeder in seiner. Das könnte doch für die Kirche bis heute heissen, dass sie so reden soll, damit sie auch verstanden wird. Und sich dieses Reden vom Heiligen Geist schenken lassen soll. Das ist gar nicht immer so einfach.

Sprache ist faszinierend. Sie ist vielmehr als Transportmittel der Verständigung. Es braucht jemanden, der redet oder schreibt und einen anderen, der zuhört oder liest. Zum Ziel führt Sprache, wenn daraus ein Gespräch entsteht. Wenn nicht nur eine redet und der andere zuhört, sondern mal der eine und dann die andere. Dann erst wird es spannend und reich. Die Muttersprache ist die Sprache des Herzens und wahrscheinlich auch des Glaubens. Jeder, der schon in fremden Ländern war, weiss wie anstrengend es ist, nicht in seiner Muttersprache reden und beten zu können. Besonders wenn es um Herzensangelegenheiten geht, fehlen rasch die Worte.

Zu Pfingsten wünsche ich mir daher zweierlei – vom Geist gewirkt. Zum einen eine Kirche mit ihren Vertreterinnen und Vertretern, die gut zuhören, wenn Menschen reden. Sei es von ihrem Glauben, ihrer Sehnsucht, ihren Nöten oder einfach von ihrem Leben. Und die dann so reden, dass sie verstanden werden. Der Heilige Geist wird sie dabei erfüllen und inspirieren, damit sie in der Sprache der Herzen der Menschen reden können – so wie an Pfingsten. Zum anderen wünsche ich mir Menschen, die erzählen, wie sie glauben und was ihnen dabei wichtig ist. Menschen, die den Mut haben, etwas von sich preiszugeben. Auch dazu erfüllt und befreit der Heilige Geist – so wie an Pfingsten.

 

27. Mai 2020 Cathrin Legler