Die Kartäuser können es schon lange

Immer wieder fasziniert mich die Architektur unserer Kartause Ittingen. Von aussen nach innen wird es immer schweigsamer, immer einsamer, immer stiller. Von draussen bis in die Zelle des Priestermönches gilt es Wege zu gehen, Mauern zu durchschreiten und Türen zu öffnen und wieder zu schliessen. Stille und Schweigen ist nicht einfach zu haben. Es braucht den Weg, die Gelegenheit und Zeit – viel Zeit.

Die Kartäuser hatten dies alles. Ihr Leben war einfach: beten, Brennholz hacken, essen, in der Bibel lesen, beten. Stille und Schweigen, Rückzug und Alleinsein prägte ihr Leben. Zudem blieben sie zu Hause. Die Kartäuser können es also schon lange.

Für uns ist es neu und eine grosse Herausforderung. Unser Leben ist nicht einfach: Arbeit, Freizeit, Beziehungen, Vernetzung und Information. Dies alles verlangt unsere Aufmerksamkeit und Kraft. Schweigen und Stille gehören eher nicht im Überfluss zu unserem Alltag.

Über dem Eingang zur Klosterkirche, dem Zuhause der Kartäuser, steht das Zitat aus dem Buch der Offenbarung:

Siehe, die Hütte Gottes bei den Menschen (Offenbarung 21,3).

An diesem Ort, in der Stille und im Schweigen, ist Gott präsent. Er ist mitten unter den Menschen. In dieser Hütte kann ich verweilen, zur Ruhe kommen. Ich bin willkommen und ein gedeckter Tisch erwartet mich. Bei Gott kann ich mich bergen. In seiner Gegenwart kann ich einfach Mensch sein, ohne etwas tun oder leisten zu müssen. Ich muss nicht mal beten.

In diesen Tagen und Wochen kann auch mein Zuhause eine Hütte Gottes sein – oder sie kann es zunehmend werden. Ein Ort, an dem Gott ist. Ein Ort, an dem ich bei Gott sein kann. Und vielleicht sogar ein Ort, an dem Stille und Schweigen Raum einnehmen können.

Bleiben Sie gesund und behütet.

27. März 2020/Cathrin Legler