Die Auferstehung lässt mich aufstehen

Ostern ist immer so schnell vorbei. Eier und Hasen sind gegessen und das Osterlachen verstummt. Immerhin dauert Ostern eigentlich bis Pfingsten. „Die Osterfreude auskosten“, so lautet der Titel eines Buches von Anselm Grün.* Ich gehe gerne noch einen Schritt weiter: Ich möchte die Osterfreude nicht nur auskosten, sondern zum Lebensstil erklären. Ein Aspekt der Osterbotschaft eignet sich dazu besonders.

Das griechische Wort für ‚auferstehen’ (egeiren) kann im Deutschen auch mit ‚aufstehen’ übersetzt werden. Die Evangelisten verwenden den Begriff bei Jesu Auferstehung, aber auch in zahlreichen Heilungsgeschichten. So lässt Jesus den Gelähmten am Teich von Bethesda aufstehen, seine Matte nehmen und herumgehen. Er ist geheilt.

Die Kraft des Auf(er)stehens kommt nicht vom Menschen, sondern vom Auferstandenen. Sie lässt mich über mich hinauswachsen. Weil er auferstanden ist, kann ich aufstehen. Ich kann aufstehen aus Sorgen und Ängsten um die Zukunft nach der Krise. Weil er auferstanden ist, kann ich aufstehen für Gerechtigkeit und Frieden. Und ich kann aufstehen für andere – auch stellvertretend.

Manchmal ist diese Kraft des Auf(er)stehens klein, unscheinbar und verborgen im Allerlei des Alltags: Das gute Wort trotz Ärger. Der Versuch eines klärenden Gesprächs statt die Kollegin beim Chef anzuschwärzen. Doch manchmal ist die Kraft auch gross, so wie bei Petrus. Er, der Jesus verleugnet hat, steht auf und beginnt von ihm zu erzählen (vgl. Apg 3). Dies war ein erster und wichtiger Schritt für das Werden der Kirche.

In diesem Sinn kann ich der Kraft der Auferstehung trauen. Sie lässt mich auf(er)stehen. Und so lässt sich Osterfreude auskosten.
 

24. April 2020 Cathrin Legler

*Anselm Grün: Die Osterfreude auskosten; Vier-Türme-Verlag Münsterschwarzach 62003.