Der kleine Advent (Palmsonntag)

Palmsonntag – der kleine Advent in der Passionszeit

Er kommt – kurz vor Kreuz und Tod. Jesus kommt nach Jerusalem. Er reitet auf dem Esel und macht damit nochmal deutlich, was ihm wichtig ist. Er kommt nicht als Kriegsheld und nicht als Aufrührer. Sein Ritt auf dem Esel in die Stadt ist keine Machtdemonstration. In Frieden kommt er, als Heiland und Verbündeter der Armen und Schwachen. Er kommt und die Menschen legen Palmzweige auf den Weg. Sie rufen: Gepriesen sei, der da kommt.

Diese Ankunft, dieser kleine Advent mitten in der Passionszeit möchte uns erinnern, auf wen wir warten – immer, nicht nur vor Weihnachten, sondern das ganze Jahr über. Nicht nur damals in Jerusalem, sondern bis heute. Die Sehnsucht nach ihm soll in uns wach bleiben: Komm, komm in unsere Welt. Komm auf einem Esel und bring Frieden, Heil und Rettung.

In einem Adventslied kommt dies zum Ausdruck:

O Heiland, reiss die Himmel auf; herab, herab vom Himmel lauf.
Reiss ab vom Himmel Tor und Tür, reiss ab, wo Schloss und Riegel für.

Die Dringlichkeit ist hörbar und die Not spürbar: Reiss auf, lauf, reiss ab! Mit Blick auf die globale Krise in diesen Tagen und Wochen gewinnt diese Bitte und dieser Ruf an Bedeutung. Der Mensch tut das Menschenmögliche: sich solidarisch zeigen, tatkräftig helfen und unterstützen auch über Grenzen hinweg. Der Mensch kann Ängsten raumgeben und aushalten, zuhören und trösten. Und doch ist da die Sehnsucht nach seinem Kommen, nach Heil und Frieden.

Wo bleibst du, Trost der ganzen Welt, darauf sie all ihr Hoffnung stellt?

Doch wie soll das gehen? Die Spötter, auch wenn es nur die eigenen und inneren sind, werden laut: Unmöglich! Ein Hirngespinst! – Verlass dich lieber auf dich allein, denn er kommt nicht! Aber der Glaube schweigt nicht und bleibt dabei. In jedem Advent und auch am Palmsonntag erwarten und feiern wir die Hoffnung seiner Ankunft. Sichtbar wird sie unter vielem anderen auch in der Kunstinstallation, die in der Kartause Ittingen entsteht. Vincent Fournier baut die Himmelsleiter zum 150 Jahre-Jubiläum der Landeskirchen. Zum einen führt die Leiter bis hoch zum Himmel. Dieser Weg kann und muss gegangen werden. Zum anderen fliesst der Himmel hinunter bis auf die Erde. So wie im Lied gesungen wird:

O Gott, ein Tau vom Himmel giess; im Tau herab, o Heiland fliess.

Dieses Sichtbarmachen seines Kommens ist unsere Aufgabe und unsere Verpflichtung. Wir bleiben nicht allein. Er kommt und ist schon mitten unter uns. Er ist in unserem Herzen, aber auch in unserem Verstand und in unserem Handeln – im Menschenmöglichen.


2. April 2020 Cathrin Legler