Der dienende König

 

In diesen Tagen geht mir immer wieder dieses Lied durch Kopf und Herz. Da werden grosse Linien gezogen: von der Geburt bis zum Tod, vom Kind zum König und von der Krippe zum Kreuz. Und es werden Gegensätze aufgezeigt: Die gleichen Hände, die die Sterne ans Firmament setzten, werden durchbohrt. Der, der kam um zu dienen, wird brutal hingerichtet. Obwohl mit sich gerungen, sagt er dennoch: ‚Nicht mein Wille, sondern deiner.’

Im Refrain wird immer wieder der dienende König besungen. Aus menschlicher Sicht ist das fast nicht denkbar: Ein dienender König. Wo gibt’s das denn? Ein König herrscht, ist mächtig und reich und man kann sich ihm nicht unbedarft nähern.

Ganz anders bei Jesus: Von göttlicher Gestalt war er. Aber er hielt nicht daran fest, Gott gleich zu sein. Sondern er legte die göttliche Gestalt ab und nahm die eines Knechtes an. Er wurde in allem den Menschen gleich. Er erniedrigte sich selbst und war gehorsam bis in den Tod – ja, bis in den Tod am Kreuz (Philipper 2,6-8). So steht es im Philipperhymnus geschrieben. Ein altes Bekenntnis, das in seiner Einfachheit und Klarheit auch heute noch berührt und herausfordert.

Das Lied geht einen Schritt weiter. Jesus, der dienende König, ruft – ja verführt uns zum Dienen. Wir können und sollen in seine Fussstapfen treten. So wie er dienen – dem Nächsten, der Nächsten, an unserem Platz und mit unseren Fähigkeiten und Möglichkeiten. Das genügt. Mitten im Alltag sehen, was wirklich Not tut, aufstehen und auch mal aufbegehren, so wie der dienende König.

Denn er ist nicht im Tod geblieben: Deshalb hat Gott ihn hoch erhöht (Philipper 2,9). Was im Hymnus nur angedeutet wird, erzählen die Evangelien ausführlich. Er ist auferstanden! Die Frauen haben ihn zuerst gesehen, dann Petrus und die Jünger. Er lebt und bleibt der dienende König – uns zum Heil und Vorbild.

Frohe Ostern und bleiben Sie gesund!


2. April 2020/Cathrin Legler