...um auf alle aufzupassen

Nie war es so wichtig, gemeinsam allein zu sein…
…um auf alle aufzupassen.

So steht es auf dem Titelblatt des Zeit Magazins vom 19. März 2020.

Allein sein – wahrlich eine grosse Herausforderung in diesen Tagen und Wochen, denn allein sein fällt nicht leicht. Die täglichen Kontakte sind eingeschränkt. Zusammensitzen, Café trinken und sich austauschen ist nicht mehr drin – jedenfalls vorläufig. Sich sehen, berühren und nahe sein ist untersagt – zumindest für die nächste Zeit. Menschen kommen an ihre Grenzen und Vereinsamung droht. Wer nicht von Familie umgeben ist steht vor einer grossen Herausforderung.

Doch es gilt gemeinsam allein zu sein. Jesus wurde einmal gefragt: Wer ist mein Nächster? (Lukas 10, 29) Ein Gleichnis später gibt der Mann sich die Antwort selbst: Derjenige, der (ihm) Barmherzigkeit erwiesen hat (V. 37). Zur Barmherzigkeit heute gehört, dass man über sich selbst und seine Befindlichkeit hinaus schauen kann. Zur Barmherzigkeit in diesen Tagen gehören die einfachsten menschlichen Fähigkeiten wie zuhören, Zeit haben und Ängste mit aushalten. Und zur Barmherzigkeit gehört insbesondere Phantasie und Flexibilität, weil Treffen ‘in echt’ nicht möglich sind.

Wie wärs mit einem Anruf bei der Tante, die man schon lange nicht mehr gesehen hat? Oder ein Gruppenchat der Jassrunde? Warum sich nicht Zeit nehmen und mit dem Freund gemeinsam ein Glas Wein trinken – verbunden durch Videotelefonie?

Lasst uns auch in diesen Zeiten die Barmherzigkeit nicht vergessen. Lasst uns fragen: Wer ist heute mein Nächster, meine Nächste? Und lasst uns phantasievolle und neue Wege gehen, damit wir gemeinsam allein sein können.

Bleiben Sie gesund und behütet.

23. März 2020/Cathrin Legler